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John Naisbitt:
Mind Set! Wie wir die Zukunft entschlüsseln

ISBN: 3446410007
Erscheinungsjahr: 2007
Hanser

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Die Zukunft entschlüsseln
        


 
ohn Naisbitt zählt seit seinem Bestseller Megatrends, der in 57 Ländern veröffentlicht wurde und zwei Jahre lang auf der Bestsellerliste der New York Times stand, zu den bekanntesten Zukunftsforschern. In diesem 1982 veröffentlichten Buch gelang es ihm, globale Trends  von der Globalisierung bis zum Aufkommen einer Wissensökonomie  akkurat vorauszusagen. Hochfliegende Erwartungen sind daher mit seinem neuen Buch verknüpft. Sein nun auch in Deutsch vorliegendes Mind Set! Wie wir die Zukunft entschlüsseln hat jedoch in den USA bei weitem nicht so hohe Wellen geschlagen wie dies einst Megatrends tat. Dies mag daran liegen, dass darin nichts bahnbrechend Neues vorausgesagt wird, vielmehr muss sich der Leser sein eigenes Bild von der Zukunft machen. Naisbitt beschränkt sich diesmal darauf, dem Leser den Werkzeugkasten der Futuristen in die Hand zu drücken.

In seinem neuen Buch dreht sich alles um »Mindsets«, also um die Denkmuster, die Naisbitt bei der Entwicklung von Zukunftsszenarien anwendet. Seine Zukunftsprognosen beruhen nicht bloß auf Spekulationen oder Visonen, sondern rühren vom genauen Beobachten der Gegenwart unter Zuhilfenahme seiner Mindsets her: »Mindsets sind wie Fixsterne in unseren Köpfen. An ihnen orientiert sich unser Denken, einem Schiff gleich, im Meer der Informationen.«

In Mind Sets! stellt er nun die elf wichtigsten dieser Denkmuster vor. Dazu zählen beispielsweise Leitgedanken wie »Dinge, die wir erwarten, geschehen stets langsamer, als wir denken«, »Während vieles sich verändert, bleibt das meiste bestehen« oder »Es ist eine ungeheure Stärke, wenn man nicht Recht haben muss«  solcherart sind also die Werkzeuge beschaffen, mithilfe derer jedermann Prognosen über die Zukunft entwickeln könne. Wer seine Mindsets anwendet, so verspricht Naisbitt, wird die Veränderungen erkennen können, die unsere Zukunft formen. Das Jetzt ist bestimmend für die kommenden Trends und es liegt vor uns wie ein offenes Buch  wir müssen es nur zu lesen wissen.

Möglicherweise ist es doch nicht ganz so einfach, berücksichtigt man, dass Naisbitt von seinen Mitarbeitern jeden Tag eine Unmenge an Zeitungen und sonstigen Quellen nach verwertbaren Informationen durchforsten lässt. Ein solches Füllhorn an Informationen entleert sich nicht über dem Freizeit-Zukunftsforscher. Eine wichtige Erkenntnis hält Naisbitt aber trotzdem für jedermann bereit: Um das Geheimnis der zukünftigen Entwicklungen zu lüften, müssen wir unsere - meist fest gefahrenen  Denkmuster durchbrechen, nur so schöpfen wir ein Maximum an Wissen aus den vorhandenen Informationen.

Immerhin lässt John Naisbitt den Leser nicht mit seinem Werkzeugkasten alleine stehen, sondern stellt im zweiten Teil des Buches dann auch fünf Zukunftsszenarien  »Bilder der Zukunft«  vor, die er mit den zuvor beschriebenen Mindsets begründet. Hier kommt der Leser dann auch auf seine Kosten, erwartet ihn hier doch einiges Ungewöhnliches.

Für Europa sieht Naisbitt völlig schwarz. Da sich die einzelnen Länder nicht zu Kompromissen zusammenfinden, wird Europa weiterhin in politische Auseinandersetzungen verstrickt bleiben und mit hohen Steuern, restriktiven Arbeitsgesetzen, sinkenden Exporten sowie schlechter Produktivität zu kämpfen haben. Daher werde der Kontinent eher zu einem touristischen Vergnügungspark für reiche Amerikaner und Asiaten als sich zur wirtschaftlich dynamischsten Region der Welt zu entwickeln.

Die wirtschaftliche Entwicklung Chinas sieht Naisbitt nüchterner als dies uns die meisten Experten weismachen wollen. Zwar sei Chinas Wachstum seit den 1980er Jahren beeindruckend ausgefallen, aber das bevölkerungsreichste Land der Erde würde niemals eine globale wirtschaftliche Führungsrolle einnehmen. Es würde noch 40 Jahre dauern bis China zum Lebensstandard der USA aufschließt  wenn es denn diesen jemals erreichen sollte. China solle daher nicht immer als Bedrohung dargestellt, sondern als der beste Kunde der Zukunft betrachtet werden. Nach der Wirtschaft würde es schließlich auch mit der Demokratie in China bergauf gehen.

Zu den überkommenen Denkmustern zählt Naisbitt die Orientierung an Landesgrenzen. Nicht Staaten würden in Zukunft zählen, sondern nur noch grenzüberschreitende Wirtschaftssektoren, die so genannten Wirtschaftsdomains wie etwa die Finanzdomain, die Pharmadomain oder die Stahldomain. So sei beispielsweise ebay's Umsatz einer globalen Technologiedomain zuzurechnen und nicht der Volkswirtschaft der USA. Als weiteres Beispiel führt er Nestlé an: 98 Prozent des Konzernumsatzes werden im Ausland erwirtschaftet. »Wie viel Schweiz steckt noch in Nestlé?« In vielen Unternehmen sind Arbeitskräfte aus Dutzenden Ländern tätig, daher sei die Berechnung von Bruttoinlandsprodukten, die die Wertschöpfung eines Landes wiedergeben, bedeutungslos. Bruttodomainprodukte von Wirtschaftszweigen würden die Indizes der Zukunft sein.

Schließlich sieht Naisbitt eine visuelle Kultur die Welt erobern. Es wird eine MTV-Welt sein, in der Bilder das geschriebene Wort in den Schatten stellen. Dies zeigt der Zukunftsforscher am Beispiel von Design-Haushaltsgegenständen und der online Spielekultur. Dies freilich ist nicht ganz neu: Den Niedergang der Textkultur und den Aufstieg einer Bildkultur hat schon Neil Postman in seinem Wir amüsieren uns zu Tode in den 1980er Jahren ausführlich besprochen.

Zu guter Letzt sagt Naisbitt noch voraus, dass es »the next big thing« in absehbarer Zeit nicht geben wird. Wir leben in einer evolutionären Ära, die die revolutionären Erfindungen der letzten Jahre des 20. Jahrhunderts erst aufnehmen, weiterentwickeln und perfektionieren müsse. Ein prall gefülltes Reservoir an Innovationen verhindere das Aufkommen des nächsten Megatrends.

Man mag mit den Einschätzungen Naisbitts übereinstimmen oder nicht, man mag die eine oder andere Ausführung als nicht wirklich neu empfinden, man mag auch die ausgiebig und langwierig eingeflochtenen Anekdoten amüsant finden oder nicht, in jedem Fall aber regt das Buch dazu an, sich sein eigenes Bild von der Zukunft zu machen. Und die beschriebenen Mindsets sind äußerst behilflich dabei, eingefahrene Denkschienen zu verlassen und Perspektiven zu wechseln.